Die abendländische Astrologie: das Erbe Babylons
Verschiedenen Kulturen entwickelten im Laufe der Entstehungsgeschichte unterschiedliche Formen der Astrologie. Neben der abendländischen Astrologie haben vor allem die vedische Astrologie, die chinesische Astrologie und die indianische Astrologie – wie sie in anderen Artikeln auf AstroQ beschrieben sind – große Verbreitung gefunden. Bei uns genießt allerdings die westliche oder abendländische Astrologie nach wie vor die größte Popularität.
Dabei ist die Bezeichnung „westliche“ oder „abendländische“ Astrologie eigentlich nicht ganz korrekt, zumal ihre Wurzeln nicht in Europa, sondern im Mittleren Osten liegen. Ihre ältesten schriftlichen Zeugnisse finden sich in Mesopotamien, also im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris im heutigen Irak. Dort begannen die Sumerer und die Babylonier systematisch die Sterne zu beobachten.
Im Laufe des 1. Jahrtausends v. Chr. war man allmählich so weit, die Gesetzmäßigkeiten der Himmelsbewegungen zu erkennen und astronomische Konstellationen berechnen zu können. Ursprünglich dienten diese Analysen dazu, die für die Ernte so wichtigen Wetterveränderungen vorherzusagen, doch bald erkannten die Gelehrten, dass es auch einen Zusammenhang zwischen den Stellungen der Himmelkörper und dem Schicksal der Menschen geben müsse.
So breitete sich das astrologische Wissen im Zeitalter des Hellenismus ins antike Griechenland aus, wo es weiter vertieft wurde. Der in Alexandrien lebende Claudius Ptolemäus war der bedeutendste Astrologe des Altertums und leistete wertvolle Beiträge zur Sternenkunde – damals machte man noch keinen Unterschied zwischen Astronomie und Astrologie.
Äußerst populär wurde die Astrologie auch bei den alten Römern, die sie von den Griechen übernahmen. Höchste gesellschaftliche Kreise waren brennend an der Macht der Sterne interessiert und Kaiser Augustus ließ sich angeblich sogar sein Aszendentenzeichen auf Münzen prägen. Da man damals annahm, dass die Himmelskörper von Göttern bewegt würden, gab man den Planeten deren Namen: Merkur, Mars, Venus, Jupiter und Saturn.
Nach dem Zerfall des Römischen Reiches erlebte die Astrologie einen Imageverlust, da die frühchristlichen Gelehrten sie als Widerspruch zu ihrer religiösen Lehre betrachteten. Dabei weiß man heute, dass die in der Bibel beschriebenen Heiligen Drei Könige keine Herrscher, sondern Astrologen waren, die anhand der Astrologie die Geburt von Jesus vorhergesehen haben dürften. Nichtsdestotrotz verblasste das Wissen um die Astrologie im Dunkel des Mittelalters.
Ihr Comeback feierte sie in der Renaissance, weil die Araber sie auf die iberische Halbinsel brachten, noch mehr aber weil die aufkeimenden Naturwissenschaften die antiken Lehren wiederentdeckten. Die Astrologie kam sogar zu wissenschaftlichen Ehren und erhielt Lehrstühle auf den Universitäten. Große Gelehrte wie Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei, Johannes Kepler oder der Arzt Paracelsus beschäftigten sich intensiv mit der Sterndeutung. Letzterer vertrat sogar die Meinung, dass man sich ohne astrologische Kenntnisse nicht mit Medizin beschäftigen sollte – und sogar Kaiser und Päpste schworen auf die Macht der Astrologie.
Mit dem Erstarken der Naturwissenschaften verlor die Astrologie allerdings abermals an Ansehen und wurde vom ausgehenden 17. Jahrhundert an als Aberglauben abgetan. Im Zuge dessen wurde sie auch von den Universitäten verbannt. Dennoch existierte die Lehre weiter und fand mit Beginn des 20. Jahrhunderts wieder mehr und mehr Anhänger.
Die Lehren der abendländischen Astrologie
Was sind nun die zentralen Inhalte der abendländischen Astrologie? Die Lehre geht davon aus, dass Himmelkörper wie Sonne, Mond und Planeten, aber auch der Mondknoten (also der Schnittpunkt der Mondbahn mit der Ekliptik) und Lillith (der Brennpunkt der Mond-Ellipse) sowie die einzelnen Winkelbeziehungen diesen Faktoren untereinander einen Einfluss auf unser Dasein haben.
Ausschlaggebend dafür ist die Konstellation der Himmelskörper, die sich zum Zeitpunkt der Geburt vom Ort der Geburt eines Menschen aus gesehen ergibt. Dabei kann die Sonne in zwölf verschiedenen Tierkreiszeichen stehen: Widder, Stier, Zwilling, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische. Erhebliche Bedeutung hat auch der Aszendent, also jenes Tierkreiszeichen, das zum Zeitpunkt der Geburt am Osthorizont aufgeht. Nicht zuletzt wird auch die griechische Lehre der vier Elemente zur Charakterisierung einer Person einbezogen: Erde (Stier, Jungfrau, Steinbock), Feuer (Widder, Löwe, Schütze), Luft (Zwillinge, Waage, Wassermann) und Wasser (Krebs, Skorpion, Fische).
Wenn er den genauen Ort, die Zeit, den Tag, den Monat und das Jahr der Geburt eines Menschen weiß, so kann ein Astrologe die exakten Planetenkonstellation errechnen und ein Horoskop für diese Person erstellen. Das Wort Horoskop kommt aus dem Altgriechischen und setzt sich aus „hora“ (Stunde) und „skopein“ (schauen) zusammen, heißt also so viel wie „Stundenschau“.
Dieses Individualhoroskop erfasst die Charaktereigenschaften eines Menschen, erkennt seine Stärken und Schwächen, beschreibt seine Wirkung auf sein Umfeld, arbeitet seine ureigensten Wünsche und Ziele heraus und verdeutlicht den auf das Seelenleben negativen Einfluss des Saturn. Das Horoskop gibt aber auch einen tendenziellen Überblick über das „Lebensprogramm“ eines Menschen. Dementsprechend lassen sich günstige Zeitpunkte für gewisse Unternehmungen, Gefahren für die Gesundheit sowie Chancen für die Liebe und das Berufsleben eruieren. Geschulte Astrologen haben dadurch die Möglichkeit, Wege zu zeigen, wie man Probleme erfolgreich lösen kann.
Neben dem Individualhoroskop gibt es spezielle Horoskope, die gewisse Aspekte des Lebens besonders genau herausarbeiten. Aus dem einer Person zugeordneten Tierkreis, den Aspekten und den zwölf Häusern kann der Astrologe etwa die Aussichten im Beruf ersehen. Dem Berufshoroskop kann er die beruflichen Neigungen und Fähigkeiten entnehmen. Er erkennt, auf welchen Gebieten die größten Talente vorliegen und in welchen Berufen man die besten Karrierechancen hat. Dadurch kann er den Fragestellern raten, welche beruflichen Weg sie einschlagen sollen, wann ein Jobwechsel ratsam ist oder wann sie sich am besten selbstständig machen.
Das Partnerschaftshoroskop wiederum analysiert die Wurzeln der Probleme, die sich in einer Beziehungen ergeben können. Naturgemäß sind dafür die Daten beider Partner nötig. Aus diesen lassen sich jene Konstellationen errechnen, die glückliche und weniger glückliche Phasen verheißen. Anhand dieses Horoskops erhält man einen sehr klaren Einblick, was der Partner von einem erwartet und welche Ansprüche er an die Beziehung stellt. Darüber hinaus können frühkindliche Blockaden sichtbar werden, die auf den Partner übertragen werden und ein Hindernis für eine harmonische Zweisamkeit darstellen.
Mit diesem Wissen ausgestattet, können sich die Partner auf das Kommende vorbereiten und rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Auch für Singles, die sich einen Partner wünschen, wird ersichtlich, wie die Chancen stehen und wann ein guter Zeitpunkt besteht, um jemanden kennen zu lernen, der mehr als eine flüchtige Bekanntschaft bedeutet.

